00:00:01: Stimmt.
00:00:02: Die Sprechviertelstunde,
00:00:04: der Podcast von
00:00:05: Professor Dr.
00:00:06: Oliver Niebuhr
00:00:06: und Dr.
00:00:07: Katrin Prüfig.
00:00:09: Hallo Olli!
00:00:10: Hallo Katrin!
00:00:11: Diese Anlage ist für die Durchführung der entgeltlichen Personenbeförderung zugelassen.
00:00:17: Sehr schön.
00:00:18: Was sagt uns dieses Schild aus dem Hamburger Hafen?
00:00:22: Ist nicht leicht nachzuvollziehen und darum geht es ja auch heute, Katrin.
00:00:26: wir wollen letztendlich uns anschauen was man mit Substantiven den Verben, die wir so sprechen alles anstellen kann oder?
00:00:35: Ja.
00:00:36: Denn diese Art von Bürokraten Deutsch, von abstrakter Sprache ist mir ein Dornen im Auge schon immer und ich habe es eingebracht mit der Hoffnung dass je lebendiger und natürlicher wir sprechen also weg von besonen Beförderung
00:00:55: usw.,
00:00:56: je natürlicher Würztest du mehr Höhen und mehr Tiefenwürz?
00:01:01: Also das war meine Arbeitshypothese.
00:01:05: Genau!
00:01:06: Und dafür haben wir sogar eine kleine Studie, also extra für diese kleine Podcast-Episode aufgesetzt.
00:01:11: Wir haben dreizehn professionelle Sprecherinnen und Sprechern verschiedene Textvarianten ein und desgleichen Inhalts lesen lassen.
00:01:20: Genau, alles menschend in entsprechenden Berufen.
00:01:24: Beraterin-Berater, Trainerinnen-Trainer, Lehrer-Lehrerin und auch Coaches – das heißt Menschen die üblicherweise zu anderen Menschen sprechen!
00:01:35: Und was können wir noch über die Methodik sagen bevor wir enthüllen?
00:01:39: Was uns so ja echt überrascht hat?
00:01:40: dann bei den Ergebnissen.
00:01:43: Was ist bei der Methodik noch wichtig?
00:01:46: Die Reihenfolge, mit der wir die Texte den Leuten zum Lesen gegeben haben war zufällig.
00:01:51: Das heißt, wir haben nicht immer den Text A am Anfang und Text C am Ende gehabt.
00:01:57: Wir hatten also auch CBA und BAC so dass wir keinen großartigen Lerneffekt oder Trainingseffekt über diese drei Textvarianten haben konnten.
00:02:07: Und es geht in allen Texten um Sommer Und ein Text ist sehr, sehr nominalstihelastig.
00:02:14: Der andere ersetzt diesen Nominalstil die Unks und Heiz- und Kites durch einen passendes Verb.
00:02:22: Und der Dritte ist dann doch nochmal deutlich sprechbarer, deutlich alltagssprachlicher – lange Rede kurzer Sinn!
00:02:29: Die drei Texte einmal im Überblick von der Moderatorin Susanne Wieseler.
00:02:36: Die Sommerzeit bedeutet für viele Menschen eine Phase der Entspannung, der Holung und der Regeneration.
00:02:43: Und steigender Temperatur entsteht das Bedürfnis nach Abkühlung, Erfrischung und Entlastung vom Alltag.
00:02:50: Die Nutzung von Freizeitangeboten im Außenbereich führt zur Steigerung der Lebensqualität und zur Förderung der Gesundheit.
00:03:05: und zu regenerieren.
00:03:07: Mit steigender Temperatur entsteht das Bedürfnis, sich abzukühlen, zu erfrischen und vom Alltag zu entlasten.
00:03:15: Freizeitangebote im Außenbereich steigern die Lebensqualität und fördern die Gesundheit.
00:03:22: Im Sommer ist das Leben oft leichter und entspannter.
00:03:25: wir gehen viel mehr raus bewegen uns mehr und tun dabei auch noch etwas für unsere Gesundheit.
00:03:31: Vor allem wenn es heiß ist, suchen wir Abkühlung im See, im Pool oder im Freibad.
00:03:37: Einfach mal erfrischen!
00:03:39: So lassen wir den Stress hinter
00:03:41: uns.".
00:03:43: Ja Katrin das klingt doch eigentlich aber relativ ähnlich.
00:03:48: also Wir haben zwölf bis dreizehn Pausen und eine Tonhöhe die ist einigermaßen konstant auch einen tonhöhen Umfang der ist einiger massen konstant.
00:03:59: Das Verständnis bei euch Liebe Zuhörenden mag es vielleicht ein anderes sein.
00:04:04: Also, vielleicht ist es leichter den Verben und dem Sprechbaren Text zu folgen?
00:04:08: Und es ist schwieriger, dem Nominalstil zu folge?
00:04:12: Intonatorisch umgesetzt sind sie alle ähnlich.
00:04:14: Ja!
00:04:15: Und somit ist meine Hypothese direkt verpufft.
00:04:18: Ja, sprechbare Texte führen dich automatisch zur Energievollerem sprechen oder ja, mehr Lebendigkeit mehr auf und ab.
00:04:27: Dankeschön!
00:04:28: Das war's.
00:04:28: Jetzt könnten wir auch schon aufhören.
00:04:32: Tun wir aber nicht, denn wir gucken jetzt noch mal in die einzelnen Varianten rein.
00:04:38: Wir hatten auch eine Rückmeldung zu dem Text mit dem Nominalstil, mit den vielen Unks das der gar nicht verstanden worden ist... Und jetzt gucken wir mal, woran das vielleicht liegen könnte.
00:04:50: Zweimal Nominalstil einmal von dem Trainerkollegen Martin Kerscher und einmal von der Yoga-Lehrerin Nicola Fromm.
00:05:00: Die Sommerzeit bedeutet für viele Menschen eine Phase der Entspannung, der Erholung und der Regeneration.
00:05:08: Mit steigender Temperatur entsteht das Bedürfnis nach Abkühlung, Erfrischung und Entlastung vom Alltag.
00:05:16: Die Nutzung von Freizeitangeboten im Außenbereich führt zur Steigerung der Lebensqualität und zur Förderung der Gesundheit.
00:05:24: Auch die Wahrnehmung von Natur trägt zu inneren Zufriedenheit bei.
00:05:27: Die Kombination aus Sonneneinstrahlung,
00:05:30: Bewegungsfreiheit
00:05:31: und Erlebnisvielfalt ermöglicht eine Form der Selbstverwirklichung und der individuellen Entfaltung.
00:05:39: Insgesamt zeigt sich im
00:05:40: Sommer
00:05:41: eine Verdichtung von Erlebnisintensität, eine Verstärkung von Lebensfreude und einer Ausweitung persönlicher Handlungsspielräume.
00:05:52: Da haben wir auf jeden Fall gehört dass der doch relativ schwierig zu lesen ist.
00:05:59: also und was wir auch sagen müssen natürlich hat er auch inherente Nachteile.
00:06:04: oder natürlich haben wir auch Dinge dabei gefunden ne?
00:06:07: Oder sollen wir das jetzt... Ja
00:06:10: Inherente Nachteile, das gefällt mir.
00:06:12: Sehr schön!
00:06:13: Siehst du?
00:06:14: Was ist dein Inheres?
00:06:16: Zum Beispiel es gibt verschiedene Untersuchungen zum Deutschen und der Sprechgeschwindigkeit im Deutschen und es gibt den ziemlich robusten Trend dass je länger das Wort desto schneller wird es gesprochen.
00:06:27: also beispielsweise Buch buchen Buchenholz Buchenhölzer.
00:06:34: Es wird immer länger und die Sprechgespündigkeit steigt.
00:06:37: Das sehen wir über alle Effekte, die tatsächlich ziemlich gut.
00:06:41: Der Nominalstil hat das schnellste Sprechtempo bei gleichzeitig höchster Komplexität.
00:06:47: Das ist nicht optimal!
00:06:50: Absolut.
00:06:50: Deshalb sind viele Menschen da auch überfordert zu sagen, worum ging es ja eigentlich gerade?
00:06:56: Ich meine beim Thema Sommer mag das ja noch gut gehen aber beim Thema entgeltliche Personenbeförderung also hier geht's aufs Schiff.
00:07:05: ihr erinnert euch am Anfang des Podcast Da wird dann schon schwieriger.
00:07:10: Ja total So, und jetzt haben wir auf Bitten eines einzelnen süddehnischen Athletikprofessors diese Nominalstil-Variante nur in dem Punkt verändert aus dem Nomen ein Verb zu machen.
00:07:28: Also der Text ist immer noch anspruchsvoll aber der Nominal-Stil ist raus!
00:07:34: Wie klingt das?
00:07:36: Wir hören Ingo Bosch, Medientrainer und wir hören die Moderatorin Anja Lange.
00:07:42: Freizeitangebote im Außenbereich ersteinern die Lebensqualität und fördern die Gesundheit.
00:07:48: Sich im Freien zu bewegen, Grillveranstaltungen zu organisieren oder Urlaubsreisen zu planen bietet Möglichkeiten soziale Beziehung zu erweitern und gemeinsam Erfahrungen zu intensivieren.
00:08:05: Auch Natur wahrzunehmen trägt zur inneren Zufriedenheit bei.
00:08:10: Die Kombination aus Sonneneinstrahlung, Bewegungsfreiheit und Erlebnisvielfalt ermöglicht es uns selbst zu verwirklichen – und individuell zu entfalten.
00:08:20: Insgesamt verdichtet sich im Sommer die Erlebnisintensität, Lebensfeule verstärkt sich und persönliche Handlungsspielräume weiten sich
00:08:30: aus.".
00:08:32: Es mag jetzt leichter sein auch vom Verständnis hier leichter?
00:08:37: rein, was die stimmliche Umsetzung angeht.
00:08:40: Nicht unbedingt ein Zwilling weil es gibt schon leichte Veränderungen aber im Großen und Ganzen ist es gleich geblieben Katrin das muss man schon sagen.
00:08:47: Es ist eine bisschen mehr Pausensetzung.
00:08:51: dabei sind auch längere Pausen dabei.
00:08:54: wir haben ein bisschen geringere Sprechtempo.
00:08:56: vor allen Dingen
00:08:58: Die Sätze sind tatsächlich eher noch länger geworden insgesamt durch diese erweiterten Infinitiv den werden oft haben.
00:09:04: mit zu.
00:09:06: also Es ist sprachlich, holpert es in meinen Ohren fast noch mehr als den Nominalstil.
00:09:14: Tatsächlich, das klingt noch fremder.
00:09:16: Genau!
00:09:16: Es klingt jetzt noch künstlicher aber es ist tatsächlich stimmlich schon mal ein bisschen auf dem richtigen Weg, weil einfach die Wörter kürzer sind... Die Sätze sind zwar länger geworden, aber die Worte innerhalb des Satzes sind kürzier geworden.
00:09:30: Wir kommen auch gleich noch zu unseren wirklich überraschenden Erkenntnissen aus dieser Mini-Studie.
00:09:37: Gehen jetzt aber nochmal den kompletten Schritt hin zu einem besprechbaren Text, meine Güte!
00:09:43: So etwas Wunderbares und Sinnliches wie der Sommer – das muss man doch sprachlich anders verkaufen können.
00:09:49: Und dem nähern wir uns jetzt mal an in der dritten Textvariante und hören Jörg Tegelhütter, NDR Sportredakteur Und die Trainerin Konstanze Dader aus Stuttgart.
00:10:04: Im Sommer ist das Leben oft leichter und entspannter, wir gehen viel mehr raus, bewegen uns mehr und tun dabei auch noch etwas für unsere Gesundheit.
00:10:11: Vor allem wenn es heiß ist suchen wir Abkühlung im See oder im Freibad – einfach mal erfrischen!
00:10:18: So
00:10:18: lassen wir den Stress hinter uns.
00:10:24: Wir treffen uns mit Freunden Wir grillen zusammen, planen kleine und größere Ausflüge.
00:10:31: Und erleben dabei richtig viel gemeinsam!
00:10:34: Wir hängen im Park ab oder werden kreativ... ...und machen einfach das worauf wir Lust haben.
00:10:40: Es ist viel länger hell und das macht gute Laune.
00:10:44: Im Sommer macht das Leben einfach noch mehr
00:10:47: Spaß Was is natürlich anders?
00:10:50: Das klingt auch anders.
00:10:51: Also hier sind jetzt tatsächlich die größten Unterschiede festzustellen.
00:10:56: Wir haben deutlich mehr Pausen, also um es auch mal in Zahlen zu fassen.
00:11:01: Der Anteil der Pausens an der Rede im Nominalstil achtzehn Prozent, im sprechbaren Text vierundzwanzig Prozent.
00:11:09: die Zahl der Pausa von fünf im Dominalstiel jetzt sind sieben.
00:11:13: und
00:11:14: jetzt haben wir endlich Katrie!
00:11:15: Auch deine Hypothese.
00:11:18: hier zumindest haben wir statistisch relevante Befunde dass die Stimmlage insgesamt rauf geht.
00:11:25: Ein Halbton-Schritt haben wir gewonnen durch diesen sprechbaren Text.
00:11:30: Super!
00:11:31: Und interessanterweise hast du aber auch rausgefunden, dass es gar nicht dynamischer und lebendiger und schneller wird sondern sogar insgesamt eher langsamer.
00:11:41: und da sagst Du...
00:11:42: sind mir Pausen und halt die Wörter sind kurzer.
00:11:45: also wir haben halt im deutschen die Tendenz längere Wörtern schneller zu sprechen um in einen gleichmäßigen Sprechrhythmus zu kommen.
00:11:55: Und wenn ich die Wörter verkürze, kann ich mir damit das Sprechtempo runterskalieren.
00:12:00: Das ist tatsächlich richtig ja!
00:12:02: Ah, das ist interessant... Also hier ist auf jeden Fall vieles umgesetzt was wir für höher verständliches schreiben und sprechen immer sagen nämlich tenaziell kurze Wörtern, kurze Sätze, gute Verben Und auch mal einwortsätze, halbsätze.
00:12:20: Das muss ja gar nicht alles grammatikalisch immer Subjektpredikatobjekt sein.
00:12:26: und jetzt kommt ein kurzer Blick wenn du erlaubst ins Gehirn.
00:12:30: es gibt Hinweise darauf dass diese Art von Text mit echten Verben an anderer Stelle verarbeitet wird als der nominals die der abstraktere kompaktere anspruchsvollere Text.
00:12:47: Also ich müsste die Studie nochmal raussuchen.
00:12:50: Die Verben werden offenbar näher am motorischen Cortex im Gehirn verarbeitet, sodass sie sowieso aktivierender sind dadurch durch die Stelle an der Sie verarbeitete werden und weniger Energie beim entschlüsseln.
00:13:08: Vielleicht auch das.
00:13:09: Und was eben dadurch folgt, ist wir lernen ja über mehrere Kanäle und die besten und die aller bleibendsten Erinnerungen sind über mehrere kanäle gelernt dass wir also beispielsweise sehen hören und riechen für einen Fakt oder auch eine Erinnerung.
00:13:27: und wenn wir mit Verben sprechen dann kommt wie du schon sagtest es kommen motorische Assoziationen hinzu Die Erinnerbarkeit von Inhalten positiv beeinflussen.
00:13:40: Ja, und wir sehen auch mehr!
00:13:42: Also laufen Grillen, Sonnenbaden, Schwimmen gehen abkühlen... Da hab ich mehr Bilder im Kopf als wenn's abstrakt um Bewegung im Freien geht oder Abkühlung oder so.
00:13:57: unser Appell an euch, gute Texte die gesprochen werden sollen.
00:14:04: Die können ja auch mal irgendwo Nominalstil und abstraktes Wort haben ist ja gar nicht der Punkt.
00:14:09: nur sie bedienen im besten Fall immer auch wieder mal die Ebene von Alltagssprache bildhafter Sprache guten starken Verben und Erwecken so Den Kopf der Zuhörenden auch immer wieder.
00:14:25: Ja
00:14:25: sehr schön, sehr schön.
00:14:26: und wir müssen ja auch sagen Wir haben jetzt ja Profis genommen die vielleicht auch in der Lage sind schlechten Nominalstil gut stimmlich umzusetzen.
00:14:35: also Vielleicht wenn es da eine oder andere zuhörende sagt naja das hätte ich vielleicht nicht so gut hinbekommen habt ihr vielleicht recht.
00:14:42: Also vielleicht sind unsere Ergebnisse noch fast zu konservativ dass man mit anderen weniger professionellen Sprechern, je noch deutlichere Unterschiede hätte rausketzen können.
00:14:52: Olli auch wenn meine zentrale These in Teilen widerlegt ist bin ich sehr glücklich darüber das wir zusammen auf die Beine gestellt haben.
00:15:01: Dieses war Folge siebenundneunzig von Stimmt.
00:15:05: Die Sprechenviertelstunde.
00:15:07: Wir nehmen Fahrt auf.
00:15:08: die hundert bleibt dran.
00:15:10: es wird ganz ganz spannend.